Vergangenen Freitagabend stand Pavlo Nikolaiev im Mittelpunkt, führte zum Auftakt der Halbfinal-Serie in den Bayernliga-Playoffs zwischen dem EHC Klostersee und den Amberg Wild Lions vor über 800 Zuschauern auf den Rängen und dazu gut 300 per Live-Stream auf Sprade-TV das “face off” aus. Mit dieser symbolischen Solidaritätsaktion durch den 13-jährigen Jungen, der zwei Wochen davor zusammen mit seiner Mutter und Oma aus dem umkämpften Kiew zu Bekannten nach Deutschland geflüchtet ist, gedachte man im Grafinger Eisstadion anstelle einer Schweigeminute an den schrecklichen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Ob aller Ohnmacht vor den unglaublichen Geschehnissen wollte man damit ein Zeichen setzen für den Frieden und den Zusammenhalt als europäische Eishockey-Familie.

Ein wenig nervös sei er gewesen, gestand der Verteidiger von Sokol Kiew, der sich nach der Ankunft bei Freunden der Familie in Maitenbeth am 6. März über “Eishockey in der Region” kundig gemacht und so auf die Rot-Weißen gestoßen ist. Seit Anfang vergangener Woche trainiert Pavlo bei der Klosterseer U15, Ausrüstung und Schlittschuhe „sponsorten“ Ausrüster Toni Hager (Vater von Nationalstürmer Patrick Hager, EHC Red Bull München) und der in den Nachwuchs-Trainerstab eingebundene Alt-EHCler Johannes Wieser. Nachwuchsleiter Martin Sauter hat es sogar geschafft, innerhalb weniger Tage eine Spielerlaubnis für den Abwehrspieler zu bekommen, so dass er zuletzt in den beiden U15-Heimspielen in der Bayernliga-Endrunde bereits eingesetzt werden konnte.

„Es geht neben all der notwendigen Unterstützung für die Geflüchteten doch vor allem auch darum, die zu uns gekommenen Leute und insbesondere die Kinder zumindest ein wenig abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen“, sagt EHC-Nachwuchsleiter. Eben das wolle man mit der Einbindung ins Training bei der U15 und beim Einsatz in den wenigen noch ausstehenden Saisonspielen so gut wie möglich schaffen und dabei auch einen Teil zur notwendigen Integration beitragen. Gedankliche Ablenkung ist für Pavlo Nikolaiev wichtig, halten sich doch mit dem älteren Bruder, seinem Vater und dem Onkel direkte Bezugspersonen und nahe Verwandte weiter im umkämpften Heimatland auf.

Erste Worte deutsch sind bereits verinnerlicht, englisch spricht er fließend, dazu ukrainisch und russisch. Da ist dann sein Trainer Yuri Tsurenkov gefragt, der zwar seit 22 Jahren in Wien lebt und längst auch österreichischer Staatsbürger ist, aber aus der Nähe von Moskau stammt und natürlich die Muttersprache beherrscht. „Pavlo ist ein toller Junge, der sich schon richtig wohlfühlt und auch bestens aufgenommen wurde“, freut sich Tsurenkov, zusammen mit Markus Eberl seit fast schon drei Jahren hauptverantwortlichen für den Klosterseer Talentschuppen.

Jetzt hofft man beim EHC, dass Pavlo möglichst schnell dauerhaft am Gymnasium vor Ort in Grafing beschult werden kann. „Das wäre für die Familie eine große Erleichterung und würde auch der schnelleren Einbindung dienen, weil acht Kinder aus unserer U15 das hiesige Gymnasium besuchen“, so Nachwuchskoordinator Sauter. Da könne er nach Schulende bis zum Beginn des Trainings in den Familien der Mitspieler zum Essen bleiben und sei zur Betreuung herzlich willkommen.

Am vergangenen Wochenende ist eine befreundete Familie der Nikolaievs, ebenfalls aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew stammend, in Grafing angekommen. Elli Huber, Vorsitzende der Frauen-Union Grafing und Stadträtin, hat ihnen ein Appartement im Zwiefirst zur Verfügung gestellt. Deren Sohn und Pavlos Freund Taras ist seit Wochenbeginn auch bereits beim EHC im Training und auf gleichem Weg ausgerüstet worden.